Regionalgruppe Köln

Wasserkraftanlage Osberghausen nicht mehr wünschenswert

30. September 2021 | Agger, Energiewende, Flüsse & Gewässer, Kreisgruppe Oberberg, Lebensräume, Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik

Aggerverband muss Bau der Fischtreppe stoppen

Auf Einladung der Grünen Oberberg besuchte der grüne Landtagsabgeordnete Norwich Rüße (r) im Juli die Stauanlage Osberghausen. Am Turbinengraben der Wasserkraftanlage wurde die Problematik der Anlage besprochen. Friedrich Meyer (m), Wassernetz NRW Flussgebietskoordinator für die Agger, sprach sich für den Rückbau der Anlage und eine frei fließende Agger aus. Sabine Grützmacher (l), nunmehr frisch gewählte Bundestagsabgeordnete, wird in Berlin an ihre Agger denken.  (Marie Brück)

Das Problem der Stauanlage Osberghausen (Siehe Meldungen vom 06.11.20 "Bundesamt für Naturschutz stellt Kleine Wasserkraft wegen Tierschutzgesetz in Frage" und 30.04.21 "Aggerverband hält am Drecksloch in Osberghausen fest") stellt sich nach Äußerungen der Bezirksregierung Köln zur Hochwasserkatastrophe im Rechtsrheinischen im Juli in einem neuen Licht dar. (Siehe auch Artikel vom 30.09.21 "Dauerhafte Stilllegung der Agger-Stauanlagen wünschenswert")

Die Fraktion der Grünen im Regionalrat bei des Regierungsbezirks Köln hatte die Bezirksregierung Köln gefragt, welche Konsequenzen sich für die Stauanlagen in der Agger nach den Starkregenereignissen im Juli 2021 ergeben. "Haben die jüngsten katastrophalen Starkregenereignisse , die sich auch im Oberbergischen ereignet haben könnten, bei der Bezirksregierung zu einer Neubewertung der Gefahrenlage des Betriebs der Stauanlagen an der Agger geführt?" Die Antwort: "Selbstverständlich werden vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse die Sicherheit aller Stauanlagen noch einmal neu bewertet." In der Regionalratssitzung am 24. September wurde es dann konkreter. Der für die Talsperrensicherheit verantwortliche Mitarbeiter der Bezirksregierung Köln führte sinngemäß aus: "Generell ist es wünschenswert, dass die Anlagen in Engelskirchen nicht nur temporär, sondern dauerhaft stillgelegt werden."

Der Wassernetz NRW Flussgebietskoordinator für die Agger hat sich unmittelbar nach den Äußerungen des Vertreters der Bezirksregierung Köln an den Vorstand des Aggerverbandes, Herrn Prof. Dr. Scheuer gewandt und dargelegt, dass es nunmehr geboten sei, den bevorstehenden Bau der Fischtreppe zu stoppen. Wenn es staatlicherseits gewünscht ist, die Stauanlagen in der Agger still zu legen und rückzubauen, dann ist es widersinnig, mit staatlichen Geldern jetzt noch eine Fischtreppe zu bauen.  

Bekanntlich war die Wasserkraftanlage Osberghausen seit Jahren außer Betrieb, bevor der Aggerverband als Besitzer der Stauanlage 2015 eine neue Stauerlaubnis beantragte und 2016 auch erhielt. Die Wasserkraftanlage gehörte einer holländischen Firma, die hier kein Kilowatt Strom produzierte und sich zurückzog. Der Versuch, die Anlage an die AggerEnergie zu verkaufen schlug fehl, sodass der Wasserkraftanlagensammler Christian Auer von der Aggerkraftwerke GmbH & Co. KG für kleines Geld zum Zuge kam. Dafür verpflichteten sich die Aggerkraftwerke die Restfinanzierung der vorgeschriebenen Fischtreppe zu übernehmen. Der Aggerverband konnte für die mit 1,1 Millionen Euro angesetzte Fischtreppe eine 50-prozentigen öffentlichen Zuschuss erhalten. Der Eigenanteil des Aggerverbandes sollte dann von den Aggerkraftwerken übernommen werden.

Das Wassernetz NRW und der Fischereiverband NRW haben in der Vergangenheit die Beibehaltung der Stauanlage Osberghausen samt dem Bau einer Fischtreppe heftig kritisiert. Stellvertretend dafür nochmals die Stellungnahme von Dr. Olaf Niepagenkemper, Beauftragter des Fischereiverbandes NRW für die Bearbeitung der Wasserrahmenrichtlinie, im Dezember 2020 an den Aggerverband:

"Als mein Fazit möchte ich Ihnen mitteilen, dass die Planungen zwar den entsprechenden technischen Vorgaben entsprechen, aber eine fischereiökologische Durchgängigkeit stromauf und Stromab nicht in ausreichender Weise herstellen, von der Durchgängigkeit für Sedimente ganz zu schweigen. Dabei bleibt die Agger auch in Zukunft auf lange Sicht in diesem Abschnitt ein degradiertes Fließgewässer und zwar dem finanziellen Interesse eines einzelnen Investors aus Bayern dienend. Kleinwasserkraftanlagen, wie hier und an anderen Standorten der Agger, tragen in keiner Weise nennenswert zur Energiewende bei. Im Gegenteil, denn vermutlich werden hohe Ausgasungen an sehr klimaschädlichen Methangasen aus den großflächig oberhalb des Wehres abgelagerten Feinsedimenten die Klimabilanz zusätzlich belasten. Durch den Stau wird die Agger aufgewärmt und durch die unnatürlichen Vogelansammlungen mit Nährstoffen stark angereichert. Somit ist die Agger unterhalb als Lebensraum für die potentiell natürliche Fischfauna weiter stark beeinträchtigt.

Aus gewässer- und fischereiökologischer Sicht wäre die einzig sinnvolle Alternative, den Stau aufzulösen und die Agger frei fließen zu lassen. Der Aggerverband hätte hier ein Zeichen setzen können! Das wäre zukunftweisend gedacht und ein Gewinn für die Agger und zum Wohle der Allgemeinheit."                                                                                                                                                                                  

Nunmehr erscheint es so, dass der Aggerverband nicht durch die flussökologischen Argumente von Wassernetz NRW und Fischereiverband NRW seine Haltung ändert, sondern dass die tragischen Ereignisse von Ahr und Erft zu einem Umdenken führen.

Kontakt: Friedrich Meyer, Flussgebietskoordinator Agger des Wassernetz NRW, efmeyer(at)gmx.de

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