Regionalgruppe Köln

Shell: Mantelrohre als Sicherheitskonzept gescheitert – weltweite Defizite

11. Dezember 2020 | BUND, Naturschutz, Ressourcen & Technik, Umweltgifte

Alle Rohre raus der Erde – schnellstens! BUND NRW kritisiert zu langen Zeitraum – 2034 ist zu spät.

Rauchende Schornsteine bei Shell.  (Paul Kröfges)

Das heute vorgelegte Untersuchungsergebnis zur erneuten folgenschweren Leckage bei der Fa. Shell offenbart ein spezielles Armutszeugnis der petrochemischen Industrie:
Obwohl zahllose unterirdische ablaufende Produktaustritte an korrodierten Leitungen zu weiträumigen Grundwasserverunreinigungen geführt haben, vertraute man weiterhin auf ein veraltetes Sicherheitskonzept mit erheblichen Risiken. Die noch unterirdisch verlaufenden Rohrabschnitte, z.B. Straßen kreuzend, wurden in Bituminierte Mantelrohre gelegt, in denen sich evtl. austretendes Produkt sammeln und austreten würde, was dann als Hinweis auf eine Leckage gewertet würde. Der konkrete Fall offenbarte das Konzeptversagen: Als man solche Hinweise hatte (Produkt außen am Rohr im August 2019) nahm man das Rohr zwar außer Betrieb, war aber technisch nicht in der Lage, das Ausmaß des Schadens – komplette Zerstörung des Mantelrohres, Loch in der Produktleitung, ca. 300 t Gasöl ins Grundwasser gesickert - rechtzeitig festzustellen. Erst als das Grundwasser weiträumige Belastungen aufwies, wurde ausgebuddelt und der Schaden erkannt.

Paul Kröfges, für den BUND Mitglied des Begleitkreises zur Schadensbeurteilung:
„Der Gutachter, Prof. Jochum, stellte fest, dass es kein angemessenes Verfahren gab und gibt, den Zustand dieser Mantelrohre zu bewerten. Selbst die massive Zerstörung in diesem Fall durch Bauarbeiten wurde nicht erkannt.“ Auch der untersuchende TÜV bestätigte diese auf Anfrage und räumte ein, dass auch die Untersuchungen der Produktleitungen in diesen Abschnitten kleine Leckagen nicht erkennen kann. Dies gehe, so Prof. Jochum, im „Grundrauschen“ bei der zerstörungsfreien Untersuchung (Ultraschallverfahren) unter.

Nach Einschätzung des BUND werden die jetzt an Shell gegebenen „Empfehlungen und Hausaufgaben“ dem weiterhin bestehenden Risiko durch noch mind. 60 unterirdische Rohrdurchführungen unter Straßen nicht gerecht. Gezielte Untersuchungen, Aufgrabungen und vorsichtige Schlitzungen kann man machen, aber das Hauptübel besteht in dem ausgedehnten Zeithorizont des Umbaues auf oberirdische Leitungs- und Brückenführung bis 2034. Hier ist anzusetzen, dieser großzügige, mit der Bezirksregierung vereinbarte Zeitrahmen muss erheblich verkürzt werden und wenn die Raffinerie hierfür zeitweise stillgelegt werden muss.

Da dies die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde zu verantworten hat, ist spätestens jetzt das Umweltministerium, dessen Hausspitze bisher dem Treiben eher zugeschaut hat, gefordert, dies durchzusetzen. Der BUND wird sich entsprechend bemerkbar machen.       

Pressekontakt und V.i.S.d.P:  
BUND- Regionalgruppe Köln,
Paul Kröfges, Sprecher der Regionalgruppe Köln, Helzener Str. 39, 51570 Windeck
Tel.: 0173 2794489   kroefges(at)online.de

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